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Familien stärken - mitten im Alltag
Begegnungstag der Familienpflege und Organisierten Nachbarschaftshilfe mit
Bischof Dr. Gebhard Fürst am 21.11.2007
Stuttgart 21. November 2007.
100 Teilnehmer/innen aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart nahmen die Gelegenheit wahr - stellvertretend für alle Nachbarschaftshelfer/innen und Mitarbeiterinnen in der Familienpflege und verantwortlichen Akteuren aus den 255 Nachbarschaftshilfegruppen und 50 Familienpflegediensten - Bischof Dr. Gebhard Fürst und Dr. Irme Stetter-Karp, Ordinariatsrätin der Diözese Rottenburg-Stuttgart und Leiterin der Hauptabteilung Caritas des Bischöflichen Ordinariats, aus ihrem Alltag zu berichten und Wünsche für die Zukunft zu formulieren.
Lebendig, hautnah und humorvoll konnten Bischof Dr. Gebhard Fürst und mit ihm Ordinariatsrätin Dr. Irme Stetter-Karp, Dr. Johannes Warmbrunn, Sprecher des Diözesenrates, sowie Johannes Böcker, Diözesancaritasdirektor, das Wirken dieser beiden Dienste in der Diözese erleben.
Unter dem Motto des Begegnungstages Familien stärken - mitten im Alltag stellten Einsatzleiterinnen, Mitarbeiterinnen und Helferinnen aus den Dekanaten Ostalb, Biberach und Bad Waldsee konkrete Lebenssituationen von Familien und Kindern, mit älteren Angehörigen und alleinstehenden Menschen ohne Familienangehörige vor, die durch Familienpflege und Organisierte Nachbarschaftshilfe Unterstützung und Stärkung in ihrem Alltag erfahren
Deutlich erkennbar wurden familiäre Notsituationen, die für viele Menschen und Familien nicht mehr durch eigene Netzwerke aufgefangen werden können. Versorgungslücken, die durch das Fehlen geeigneter verzahnter öffentlicher Hilfen entstehen, berührten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch durch den persönlichen Bericht einer betroffenen Familie und die für sich sprechenden dargestellten Alltagssituationen Angehöriger von an Demenz Erkrankten.
Wie notwendig heute ein rasches, flexibles und dennoch sorgfältiges, den jeweiligen Familien angepasstes Hilfemanagement ist, wurde von. Bischof Dr. Gebhard Fürst auch in der darauffolgenden Gesprächsrunde mit Einsatzleitungen und Geschäftsführungen und der Verteterin von Zukunft Familie e.V angesprochen. Monika Hahn-Vogt, Geschäftsführerin der Katholischen Sozialstation Schorndorf wies darauf hin, dass Familienpflege und Organisierte Nachbarschaftshilfe zunehmend familiäre Netzwerke ersetzen.
Der für den Familienpflegetool Ostalb (ein Zusammenschluss mehrerer Kirchlicher Sozialstationen im Leistungsbereich Familienpflege) poolführende Geschäftsführer Hans-Peter Kinzl betonte die hohe Verantwortung der Träger im Spannungsfeld zwischen kirchlichem Profil /diakonischem Auftrag, Familien zu unterstützen und zugleich unternehmerisch wirtschaftlichem Haushalten der begrenzten Ressourcen. Um die alltagsunterstützenden Hilfen von Familienpflege und Organisierter Nachbarschaftshilfe zukunftsorientiert anbieten zu können, bedürfe es neben einer Weiterentwicklung von Strukturen auch intelligente Lösungen im Bereich Hilfemix und die Erschließung neuer Aufgabenfelder und Kooperationen, wie es bereits erfolgreich im Ostalbkreis umgesetzt würde.
Weitere Trägervertretungen wiesen auf die fehlende Unterstützung von Kirchengemeinden in Dekanaten hin. Kirchengemeinden, die nicht selbst Träger eines Familienpflegedienstes oder einer Organisierten Nachbarschaftshilfe seien, würden vorwiegend keine Mittel im Rahmen ihrer karitativer Aufgaben bzw. Spendeneinnahmen für die Dienste bzw. hilfebdürftiger Menschen zur Verfügung stellen. Die Leistungen der Träger würden jedoch selbstverständlich allen Familien und Menschen mit diesem Hilfebedarf innerhalb der Dekanate angeboten werden.
Der Bischof sagte zu, dieses Thema weiterzuverfolgen und dafür Sorge zu tragen, dass Kirchengemeinden zukünftig die Priorität der Diözese "Familien stärken" deutlicher mittragen. Er betonte hierbei, Kirchengemeinden stärker auf eine Ausgewogenheit bei Ausgaben für Liturgie, Katechese und Caritas zu verpflichten und schloss damit ausdrücklich auch die Hilfen der Familienpflege und Organisierten Nachbarschaftshilfe mit ein.
Dr. Irme Stetter-Karp, Ordinariatsrätin der Diözese Rottenburg-Stuttgart und Leiterin der Hauptabteilung Caritas des Bischöflichen Ordinariats nahm in ihrer Rede zum Ende der Veranstaltung ebenfalls Bezug auf die erforderliche Beteiligung von Kirchengemeinden vor Ort für diese Familienhilfen. Eindringlich zeigte sie in ihrem Beitrag Perspektiven und Herausforderungen für die Familienpflege und Organisierte Nachbarschaftshilfe in der Diözese auf.
Um die Familienpflege nachhaltig zu sichern, benannte Dr. Irme Stetter-Karp als Erfordernisse: Neue Angebotsprofile, effiziente wirtschaftliche und organisatorische Steuerung, Netzwerk-Aufbau und die Stärkung eines karitativen Eigenprofils.
In ihrem Ausblick betonte sie: "Die Spannung zwischen dem Bestehen in Märkten und dem Versprechen der Caritas, Zeugnis zu geben für einen barmherzigen Gott, ist groß und größer geworden und viele Einrichtungen stehen in der Gefahr, das eine für das andere preiszugeben. Diese Herausforderung, die Spannung zwischen Ökonomie und Ethik zu halten, sehe ich als eine der größten Herausforderungen, vor denen Träger in katholischer Trägerschaft heute stehen."
Die Rede von Bischof Dr. Gebhard Fürst und Ordinariatsrätin Dr. Irme Stetter-Karp sind zusätzlich abrufbar bei Zukunft Familie e.V.
fachverband@zukunft-familie.info
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